Wanderer, kommst du nach Spa - Einleitung einer Interpretation (ausführliches Beispiel) | Deutsch GK Klasse 11

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  • Dieser Text umfasst eine mögliche Einleitung für die Interpretation der Kurzgeschichte "Wanderer, kommst du nach Spa" (Heinrich Böll)

    65 Millionen. Etwa so viele Menschen ließen im zweiten Weltkrieg ihr Leben – viele davon auf Basis von mentalem Druck, dass man im Ausnahmezustand auch sein Leben für das Vaterland opfern müsste. Mit dieser Thematik befasst sich die 1950 veröffentlichte Kurzgeschichte „Wanderer, kommst du nach Spa…“ vom Autor Heinrich Böll, welche vermutlich zur Zeit des zweiten Weltkrieges spielt.

    Ausgangssituation in der Kurzgeschichte ist der Krankentransport des Ich-Erzählers in eine zum Lazarett umfunktionierte Schule. In den darauffolgenden Textabschnitten beschreibt der Erzähler sehr detailreich, wie er durch die Gänge der Schule bis hin zum Zeichensaal befördert wird, der die Funktion eines provisorischen Operationssaales übernimmt. Während des gesamten Transportes erkennt der Ich-Erzähler zahlreiche Merkmale seines ehemaligen Gymnasiums wieder, ist sich aber dennoch nicht sicher, ob er sich tatsächlich in seiner ehemaligen Schule befindet. Seine Unsicherheit begründet der Erzähler damit, dass viele Schulen diese Merkmale aufweisen können und außerdem die Möglichkeit bestünde, dass er sich lediglich in einem Traum befindet. Letztendlich erhält der Ich-Erzähler Klarheit über seine Vermutung, indem er an der Tafel im Zeichensaal den von ihm noch zur Schulzeit verfassten Schriftzug „Wanderer, kommst du nach Spa“ entdeckt.

    In Anbetracht der aus dem Text erlangten Erkenntnisse, dass es sich beim Handlungsort vermutlich um ein humanistisches Gymnasium sowie bei der handelnden Figur um einen ehemaligen Schüler dieser Schule handelt, formuliere ich meine Deutungshypothese wie folgt: Ich denke, dass der unvollendete Schriftzug an der Tafel, welcher gleichzeitig als Überschrift dieser Kurzgeschichte fungiert, den Anfang der Übersetzung eines berühmten griechischen Distichons wiedergibt. Im Original befasst sich der Zweizeiler mit dem strikten Befolgen von Kriegsbefehlen im antiken Griechenland, ohne jede Rücksicht auf die eigene Person zu nehmen. Übertragen auf die zeitliche Situation in der Kurzgeschichte lässt sich vermuten, dass dieser Schriftzug als eine Art unterschwellige Instruktion dienen sollte, um den Schülern ihre Pflicht vom Kampf für ihr Vaterland zu verdeutlichen, ungeachtet der eventuell vorhandenen persönlichen Hemmungen.

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    Urheber:
    Benedikt Glück
    Klassenstufe(n):
    11 12 13

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    @BeneLPYT

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