Analyse und Erörterung: "Surfen statt denken" (Jens Voss, 1999) - Klausur Deutsch GK

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  • Der Text "Surfen statt denken" von Jens Voss aus dem Jahr 1999 stellt die These auf, dass kognitive Lernfähigkeiten durch das Internetzeitalter auf der Strecke bleiben und man somit ohne methodisches Wissen durch das Leben geht. Eine Analyse und Erörterung von Benedikt Glück.

    Originale Aufgabenstellung:
    Analysieren Sie den Text, arbeiten Sie die wesentlichen Aussagen heraus und setzen Sie sich erörternd kritisch damit auseinander.


    Ursprung:
    2. Deutsch Grundkurs Klausur Klasse 11, 7. Januar 2019



    Analyse und Erörterung: "Surfen statt denken" (Jens Voss; 1999)


    Oft werde ich gefragt, was ich nach der Schule machen möchte. Die Antwort auf diese Frage fällt mir dann immer Recht leicht, denn ich habe mir schon vor längerer Zeit überlegt, dass ich nach dem Abitur ein Studium in Wirtschaftsinformatik anfangen möchte, denn Informatik insbesondere das tiefgründige Arbeiten mit dem Computer hat mir schon immer eine große Freude bereitet. Die Erfindung des Internets ermöglicht aber nicht nur Leuten, die sich gerne intensiv mit bestimmten Inhalten auseinandersetzen, den Zugang zu scheinbar unendlich zur Verfügung stehendem Content, sondern auch den Personen, welche ohne viel Aufwand eine Lösung für ein Problem oder eine Frage finden möchten. Die Problematik, dass dabei oft wenig nachgedacht wird und in vielen Fällen gar nicht versucht wird, die Frage mit dem eigenen Denkvermögen zu beantworten, greift Jens Voss in seinem am 21. September 1990 in der "Rheinischen Post" veröffentlichten Artikel "Surfen statt denken" auf.


    Den ersten Absatz beginnt er mit der scheinbar euphorischen Darstellung der Tatsache, dass zahlreiche Informationen jederzeit von dem Speicher des PCs oder dem Internet abrufbar sind. Danach greift der Autor mit dem Satz "Man weiß nur, was man weiß" die Meinung des in Bonn lehrenden Erziehungswissenschaftlers Volker Ladenthin auf, was er in den folgenden Zeilen und bis zum Absatzende fortführt. Er erklärt in den Zeilen 35 ff., dass man nur durch Abrufen einer Information nicht automatisch das tatsächliche Wissen über sie besitzt. In den darauffolgenden Zeilen geht Voss bis zum Absatzende auf die Aussagen von Herrn Ladenthin ein: demnach sind der Computer und das Internet "[...] die letzte Hoffnung darauf, das Lernen zu vermeiden" (Z. 39f.). Daraufhin erklärt der Autor, dass der Erziehungswissenschaftler vor einer Art geistigem Verfall der Gesellschaft warnt, der durch das bloße Abrufen von Informationen und der damit verbundenen schleichenden Veränderung des Denkens hervorgerufen wird. Im zweiten Absatz erklärt er, dass das Suchen von Informationen im Internet im Kern lediglich dem Zufall überlassen ist und die Strategien zum Lösen eines Problems vor allem bei Schülern und Studenten fehlen. Am Ende des Absatzes meint er, dass das tatsächliche Wissen dadurch abnimmt und durch eine Art 'Kurzzeitwissen' ersetzt wird, dieses aber "nicht zukunftsträchtig [sei]" (Z. 45) und daher für zukünftige Problemfragen keine Antworten liefern kann.

    Jens Voss verwendet in seinem Text vorwiegend hypotaktische Sätze und bezieht sich zu einem großen Teil auf Zitate des Erziehungswissenschaftlers Volker Ladenthin. In Zeile 1f. Verwendet er das Trikolon "Fakten, Formeln, Grafiken", wodurch der Leser angeregt wird, sich mit dem Artikel auseinanderzusetzen. Weiterhin nutzt er in Zeile 6f. Die Metapher "Die Sache hat nur einen Haken:", wodurch hervorgehoben wird, dass ein bestimmtes Problem vorliegt. In Zeile 14 findet sich das Hendiadyoin "Computer und Internet", durch welches der Problemherd rhetorisch hervorgehoben wird. In Z. 18f. findet man im Zitat des Erziehungswissenschaftler die Synekdoche "Informationsbeschaffung per Mausklick", wodurch erneut unterstrichen wird, dass es ohne großen Aufwand möglich ist, Informationen im Internet zu finden. Des Weiteren nutzt der Autor die Metapher "Fakteninseln in einem Meer aus Ahnungslosigkeit", welche abwertend das Unwissen der Personen und die Art der Informationsbeschaffung mit Hilfe des Internets darstellt.

    Es lässt sich sagen, dass die Aussage "Man weiß nur, was man weiß" (Z. 7f.) eine Kernaussage der Kritik an der Informationsbeschaffung durch das Internet ist: Sie meint, dass man durch bloßes Abrufen der Informationen nur oberflächliches Wissen erlangt und das tiefgründige Wissen dadurch nicht erweitert wird. Auch die Aussage in Zeile 18-21, dass die "Informationsbeschaffung per Mausklick [...] Nebenwirkungen für die geistige Verfasstheit ganzer Generationen [hat]", fasst die Kritik gut zusammen. Volker Ladenthin kritisiert, dass vor allem jüngere Leute sehr viel ihres angeblichen Wissens aus dem Internet abrufen. Nicht zuletzt ist auch die Aussage in Z. 44ff. als eine Kernaussage zu betrachten: "Wissen ohne methodisches aber sei nicht 'zukunftsträchtig' - es bleibe stumm für kommende Probleme". Dies hebt hervor, dass das oberflächliche Wissen in komplexen und zukünftigen Fragen wohl nicht ausreichen wird, und man erneut Antworten im Internet zu finden versuchen wird.


    Die Frage, ob man sein Wissen von Suchmaschinen wie Google und Internetseiten wie Wikipedia beziehen darf, lässt sich nicht direkt mit einem "Ja" oder "Nein" beantworten. In Zeile 7f. des Textes findet man die Aussage "Man weiß nur, was man weiß", wodurch verdeutlicht wird, dass Wissen, welches durch das Internet angeeignet wurde, ganz klar von dem Wissen zu unterscheiden ist, welches durch eigene Fragen und eigene Strategien zum Finden einer Lösung angeeignet wurde. Demnach sind die Informationen aus dem Internet nur kurzfristig bei uns im Gehirn gespeichert und wir sind nach längerer Zeit dazu gezwungen, uns diese Informationen erneut anzusehen, damit wir sie wieder im Gedächtnis haben.

    Natürlich ist auch die Aussage in Zeile 44-46 zu betrachten , denn das sogenannte methodische Wissen, welches beim Abrufen von Informationen aus dem Internet angeeignet wird, ist nicht in der Lage, auf zukünftige Probleme oder Fragen zu antworten, da diese Art von Wissen nur oberflächlich ist. Zum tatsächlichen Antworten auf abgewandelte Fragestellungen benötigt man fundiertes Wissen, welches nur durch intensives Auseinandersetzen mit einem Thema angeeignet werden kann.

    Natürlich darf nicht vergessen werden, dass "Schüler und Studenten [...] zunehmend ergebnisorientiert und nicht methodenorientiert [arbeiten]" (Z 38ff.). Das bedeutet, dass immer mehr Schüler, welche z.B. eine Facharbeit zu Hause ausarbeiten müssen, nicht mehr das Ziel verfolgen, durch intensive Arbeit mit verschiedenen Lernmethoden an eine Information zu gelangen, sondern nur ihr Ergebnis im Kopf haben und dieses durch ein einfaches Aufrufen verschiedener Internetseiten zu erreichen versuchen. Beispielweise nutzt man heutzutage fast ausschließlich Statistiken von großen Plattformen wie Statista.com, sodass einem selbst die Mühe erspart bleibt, auf die Straße zu gehen und Menschen nach ihrer Meinung zu befragen.


    Andererseits kann ich aus eigener Erfahrung sprechen, wenn ich sage, dass das Nutzen von Statistiken großer Portale nicht bedeutet, dass man sich nicht mit dem Thema auseinandersetzt. Ich selbst habe im Rahmen mehrerer komplexer Arbeiten mit verschiedenen Statistiken großer Portale gearbeitet. Bei politischen Themen wie dem Drogenkrieg in Mexiko ist man sogar darauf angewiesen, verlässliche Statistiken aus dem Internet zu nutzen, denn eine lokale Umfrage würde hier wenig Sinn ergeben. Und auch wenn die Statistiken nicht selbst aufgenommen sind, so setze ich mich dennoch intensiv damit auseinander, z.B. auch, indem ich mehrere Statistiken vergleiche. Dabei bin ich definitiv der Meinung, dass diese Arbeit nicht lediglich ergebnisorientiert abläuft und ich mir auf diese Weise auch ein fundiertes Wissen aneigne.

    Die Aussage, die Informationen bzw. das Wissen aus dem Internet sei nicht zukunftsträchtig, kann ich nicht vollends unterstützen. Natürlich lässt sich sagen, dass simple Fakten, die in wenigen Minuten oder gar Sekunden angeeignet wurden, eher weniger brauchbar für zukünftige Antworten sind - wohl auch aus dem Grund, dass vieles sehr schnell vergessen wird. Das bedeutet allerdings nicht, dass dieses Wissen komplett nutzlos für zukünftige Debatten ist: besonders die ethischen Grundsätze unserer Kultur kann man über lange Zeit anwenden, ganz egal, ob man sich dieses Wissen durch intensives Forschen oder durch einfaches Abrufen angeeignet hat.

    Das Argument, dass man nur das weiß, was man weiß, kann ich fast komplett unterschreiben, jedoch sollte man sich von dieser Aussage nicht zu sehr die Meinung über das Internet vorgeben lassen: Natürlich muss man sagen, dass dieser Text fast 20 Jahre alt ist, und sich in dieser Zeit sehr viel geändert hat. Dennoch sollte man bedenken, dass das Internet unfassbar große Möglichkeiten bietet und vor allem auch riesige Erleichterungen mit sich bringt. Die Möglichkeit, ein Buch nun auch von meinem Handy aus zu lesen, finde ich als Mensch der Generation "Z" unglaublich schön. Ich bin der Meinung, die Kritik am schellen und einfachen Abrufen von Informationen ist berechtigt, allerdings vergisst man dabei auch oft die Möglichkeiten des Internets. Gegen ein paar wenige Euro kann ich mir - auch im Internet - sehr wohl fundiertes Wissen, z.B. aus wissenschaftlichen Artikeln oder Büchern aneignen, ob man natürlich dazu gewillt ist, muss jede Person selbst entscheiden.


    Zusammengefasst lässt sich sagen, dass der text von Jens Voss durchaus berechtigte Kritik am digitalen Zeitalter liefert, meiner Meinung nach dieses Thema aber zu einseitig betrachtet wird. Ich persönlich stimme Jens Voss und Volker Ladenthin in vielen Punkten zu, muss aber auch dazu sagen, dass ich nicht alle Thesen des Textes komplett unterstützen kann. Ich bin mir aber natürlich auch der Tatsache bewusst, dass dieser text fast 20 Jahre alt ist und ich mir nicht sicher bin, ob ich in 20 Jahren das gleiche zu einem Text aus dem Jahr 2019 sagen würde.


    © 2019 Schueler-Hilfen.de

    Weitere Informationen zum Artikel

    Urheber:
    Benedikt Glück
    Klassenstufe(n):
    10 11 12 13
    Ursprüngliches Datum:
    7. Januar 2019

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